Donnerstag, 28. Februar 2019

Rat der Neun - Gegen das Schicksal, Veronica Roth

Copyright: cbj

Informationen

Titel: Rat der Neun - Gegen
das Schicksal
Autor/in: Veronica Roth
Verlag: cbj / Randomhouse
Seitenzahl: 544
Preis: 20,00 

Link: hier
Inhalt: Cyras und Akos' Leben ist vom Schicksal bestimmt, das die Orakel bei ihrer Geburt  vorausgesagt haben. Demnach wird Akos im Dienst der Familie Noavek sterben. Trotzdem kann er nichts gegen seine Gefühle für Cyra tun. Als ihr totgeglaubter Vater Lazmet den Thron wieder besteigt, steht sein Ende näher als je zuvor. Lazmet beginnt einen Krieg und Crya und Akos tun alles, um ihn zu stoppen. 

Meinung: Mich hat der erste Teil begeistert, weshalb ich die Fortsetzung kaum erwarten konnte. Da ich den ersten Band vor einiger Zeit gelesen habe, fiel es mir anfangs etwas schwer, mich wieder in Cyras und Akos´ Welt zurechtzufinden. Nach einer Weile konnte ich mich in der Welt jedoch wieder gut zurechtfinden und wollte sie gar nicht mehr verlassen.
Veronica Roth gelingt es eine magische Welt voller besonderer Ideen zu beschreiben, die den Leser in den Bann zieht. Durch ihre Schilderungen kann man sich alles gut vorstellen und die Atmosphäre ist einmalig. Ihr Schreibstil ist toll, sodass sich die Geschichte flüssig liest.
Gegen das Schicksal wird aus unterschiedlichen Sichten erzählt, was ich gut finde, weil man dadurch einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse erhält. Etwas, das mir an den Charakteren besonders gut gefällt, ist, dass sie alle sehr stark und selbstbewusst sind. Das trifft vor allem auf Cyra zu, die ich in diesem Teil noch mehr ins Herz geschlossen habe. Man erkennt zudem eine Entwicklung bei den Charakteren.
In Bezug auf die Personen finde ich es auch sehr positiv, dass in dem Buch eine Diversität präsentiert wird, die als normal dargestellt wird.
Die Liebe zwischen Akos und Cyra steht hier weniger im Fokus als erwartet, was ich jedoch nicht schlimm finde, weil dafür der Krieg stärker thematisiert wird. Das macht die Handlung nicht langatmig, sondern bringt sie voran. 
Die Handlung verläuft ebenfalls spannend, sodass man immer nur weiterlesen möchte, um mehr zu erfahren. Veronica Roth hat zudem eine packende Wende eingebaut, mit der ich nie gerechnet hätte und nach der es fast unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen.
Bis zum Ende bleibt es spannend und der Schluss ist ebenfalls gut gelungen und liefert einen würdigen Abschluss der Reihe.

Abschließende Bewertung:
Idee:  ★ ★ ★ ★ 
Spannung:  ★   ★ 
Gefühle: ★ ★  ★ 
Charaktere: ★ ★  ★ 
Insgesamt: ★ ★   

Fazit: Ein würdiger Abschluss der Reihe, der vor allem durch die starken Charaktere überzeugt.

Sonntag, 24. Februar 2019

The Belles - Schönheit regiert, Dhonielle Clayton

Kasimira
Copyright: Planet!

Informationen

Titel: The Belles - Schönheit regiert
Autor/in: Dhonielle Clayton
Verlag: Planet! / Thienemann-Esslinger
Seitenzahl: 512
Preis: 19,00 

Link: hier
Inhalt: Orléans ist von Hässlichkeit bestimmt und nur die Belles können mithilfe ihrer magischen Fähigkeiten den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle und ihr Ziel ist es die Beste aller zu sein. Doch hinter den Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten gefährlicher sind, als sie angenommen hat. Schon bald muss sie sich entscheiden, ob sie die Tradition der Belles weiterführen möchte oder ihr Leben riskieren, um die Welt für immer zu verändern...

Meinung: Wow, mich hat schon lange nicht mehr ein Buch so begeistert wie The Belles - Schönheit regiert. Die Idee finde ich beeindruckend und glücklicherweise ist auch die Umsetzung gut gelungen. 
Dhonielle Clayton hat eine beeindruckende Welt erschaffen, die den Leser nicht mehr loslässt. Aufgrund der anschaulichen Beschreibungen kann man sich alles in Orléans gut vorstellen. Die Charaktere werden mit genauso viel Liebe beschrieben und man kann sich jeden dieser gut vorstellen. Camelia durchläuft als Hauptperson eine starke Entwicklung. Ich muss zugeben, dass ich anfangs leichte Probleme mit ihr hatte, weil sie nur ein Ziel im Kopf hatte und zwar die Favoritin zu werden und in Bezug darauf manchmal etwas überheblich wirkt. Das ändert sich jedoch im Verlauf der Geschichte, sodass man sie später ins Herz schließt und für ihre Entwicklung und ihre Stärke bewundert.
Die Geschichte wird spannend und ohne lange Pausen erzählt, sodass man immer nur weiterlesen möchte. Als Leser wird man in den Bann gezogen und der Abschluss ist nervenaufreibend gestaltet und bietet ein würdiges Finale.
Auf den ersten Blick erinnert The Belles an Selection, allerdings steckt viel mehr Ernsthaftigkeit dahinter. Hinter den märchenhaften Beschreibungen liegt bitterer Ernst und die Autorin scheut nicht davor zurück, das Thema Schönheit und den verbundenen Wahn ungefiltert zu behandeln. Obwohl die Geschichte an einem fiktiven Ort spielt, lassen sich viele Aspekte auf unsere Gesellschaft übertragen. Dadurch liefert The Belles nicht nur eine spannende Geschichte, sondern regt den Leser auch zum Nachdenken an.

Abschließende Bewertung:
Idee:  ★ ★ ★ ★ 
Spannung:  ★   ★ 
Gefühle: ★ ★  ★ 
Charaktere: ★ ★  ★ 
Insgesamt: ★ ★   

Fazit: Eine beeindruckende Geschichte, die nicht nur spannend ist, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Dienstag, 19. Februar 2019

Hochsensibel - Was tun?, Sylvia Harke

Hochsensibel - Was tun?
Copyright: Goldmann

Informationen

Titel: Hochsensibel - Was tun?
Autor/in: Sylvia Harke
Verlag: Goldmann / Randomhouse
Seitenzahl: 512
Preis: 12,00 

Link: hier
Inhalt: Die Psychologin Sylvia Harke zeigt in ihrem Ratgeber, was man unter Hochsensibilität versteht und wie Betroffene damit umgehen können. Neben umfassenden Informationen zu verschiedenen Themen gibt es auch Übungen und Interviews. Sie zeigt vor allem, dass Hochsensibilität keine Schwäche, sondern eine wertvolle Gabe ist.

Meinung: Ich bin vor zwei Jahren zum ersten Mal auf das Thema Hochsensibilität gestoßen, als ich den Artikel einer Betroffenen dazu gelesen habe. Ich habe mich in vielen Punkten wiedergefunden, weshalb ich nach weiteren Informationen gesucht habe und habe damit endlich Erklärungen für bestimmte Eigenschaften von mir gefunden, weil die meisten Merkmale auf mich zutreffen. Die Erkenntnis darüber, dass es einen Grund für meine starke Sinneswahrnehmung gibt, ist sehr befreiend für mich gewesen. Seitdem suche ich immer wieder nach Informationen zu dem Thema, das mich sehr interessiert.
Sylvia Harke hat mit Hochsensibel - Was tun? ein umfassendes Werk geschaffen, das sich dem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähert. Sie geht zunächst auf Merkmale ein, an denen man Hochsensibilität erkennt und nennt danach Tipps, die Hochsensiblen den Umgang mit ihrer Charaktereigenschaft erleichtern. So spricht sie zum Beispiel über Beziehungen, das Lebensumfeld, Traumatische Erfahrungen oder auch über den Umgang mit hochsensiblen Kindern. Dadurch, dass so viele Themen behandelt werden, findet man auf fast jede Frage eine hilfreiche Antwort.
Ich finde, dass das Buch sehr gut gelungen ist, weil es ein umfassendes Bild zum Thema präsentiert und Hochsensibilität aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Sehr detailliert geht die Autorin auf die Themen ein und dabei lernt man nicht nur mehr über Hochsensibilität, sondern auch weitere psychologische Themen, was ich sehr interessant finde. Somit habe ich durch das Buch viel Neues erfahren, auf das ich in Artikeln und Videos bisher nicht gestoßen bin, da in solchen das Thema meist nur oberflächlich angeschnitten wird.
Das Buch hilft Betroffenen somit die Charaktereigenschaft besser zu verstehen, zu akzeptieren und vor allem auch dabei sich selbst zu akzeptieren. Ich finde es besonders gut, dass die Autorin Hochsensibilität nicht als Schwäche bezeichnet, sondern als Gabe ansieht und vor allem auch die Vorteile in den Fokus stellt.
Die Übungen helfen dabei in sich zu gehen und sich über bestimme Dinge klarer zu werden, die bei der Selbstakzeptanz hilfreich sind. Die Interviews haben mir auch gut gefallen, weil sie eine Abwechslung zum theoretischen Wissen darstellen und zeigen, dass man nicht allein ist und vor allem, wie unterschiedlich sich Hochsensibilität im Alltag bei verschiedenen Personen zeigt.

Fazit: Ein umfassender Ratgeber, der Betroffenen zeigt, wie sie mit ihrer Hochsensibilität umgehen können und vor allem auch sie als Gabe zu erkennen.

Traumsammler, Khaled Hosseini

Copyright: S. Fischer

Informationen

Titel: Traumsammler
Autor/in: Khaled Hosseini
Verlag: S. FISCHER
Seitenzahl: 448
Preis: 19,99 

Link: hier
Inhalt: Pari und Abdullah sind unzertrennliche Geschwister. Als sie drei und er zehn Jahre alt sind, nimmt ihr Vater sie auf einen Fußmarsch quer durch die Wüste mit. Doch am Ende der Reise wartet kein Paradies auf die Kindern, sondern die Trennung der beiden, die ihr ganzes Leben verändern wird...

Meinung: Khaled Hosseini hat bereits in Tausend Strahlende Sonnen und Drachenläufer gezeigt, dass er Geschichten wie kein anderer erzählt. Traumsammler kann mit seinen ersten beiden Werken mithalten, denn auch die Geschichte steckt voller Tiefe, Gefühl und Nachdenklichkeit.
Durch Khaled Hosseinis unverwechselbaren Schreibstil kommt man gut in die Geschichte rein und kann sich alles bildlich vorstellen. Man taucht ganz in die Atmosphäre der Geschichte ein. Die Charaktere werden mit genauso viel Gefühl beschrieben, sodass man ein rundes Bild aller erhält und jeden ins Herz schließt. 
Traumsammler ist ein sehr vielschichtiges Buch und wird aus unterschiedlichen Sichten über mehrere Jahre hinweg erzählt. Ich muss zugeben, dass es für mich manchmal etwas verwirrend mit den Sichtwechseln gewesen ist, aber man schafft es dennoch immer sich im Geschehen zurechtzufinden. 
Die Idee wirkt simpel, wird aber mitreißend umgesetzt, sodass man immer wieder gerne in die Welt zurückgekehrt und das Ende eigentlich gar nicht erreichen möchte, weil man sich den Charakteren so verbunden fühlt.
Aufgrund der überraschenden Komplexität der Handlung kann man auch nicht vorhersehen, was passiert und das Ende trifft den Leser überraschend. Dennoch ist es das Richtige, weil es alles Geschehene abschließt und stellt den Höhepunkt der emotionalen Reise dar.

Abschließende Bewertung:
Idee:  ★ ★ ★ ★ 
Spannung:  ★   ★ 
Gefühle: ★ ★  ★ 
Charaktere: ★ ★  ★ 
Insgesamt: ★ ★   

Fazit: Vielschichtig und voller Gefühl. Traumsammler nimmt den Leser auf eine Reise mit, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Dienstag, 12. Februar 2019

Someone New, Laura Kneidl

Copyright: Lyx

Informationen

Titel: Someone New
Autor/in: Laura Kneidl
Verlag: Lyx / Bastei Lübbe
Seitenzahl: 534
Preis: 12,90 

Link: hier

Inhalt

Als Micah auf ihren neuen Nachbar trifft, kann sie es kaum glauben. Es ist Julian, der vor einigen Wochen seinen Job wegen ihr verloren hat. Sie möchte sich bei ihm entschuldigen, doch er reagiert abweisend und gibt ihr nicht die Gelegenheit dafür, sich zu entschuldigen. Dennoch ist Micah fasziniert von ihm, weshalb sie ihn unbedingt weiter kennenlernen möchte. Dabei merkt sie, dass er nicht nur sie, sondern alle Menschen auf Abstand hält. Julian hat nämlich ein Geheimnis, das die Art, wie Micah ihn sieht, für immer verändern könnte.

Meine Meinung

Zunächst einmal möchte ich mich bei lesejury.de dafür bedanken, dass ich bei der Leserunde zu Someone New dabei sein durfte. Mich hat das sehr gefreut.
Aufgrund des großen Hypes und meiner Begeisterung für Laura Kneidls ersten beiden New Adult-Romane, hatte ich hohe Erwartungen an Someone New.
Zunächst einmal kann ich positiv anmerken, dass sich das Buch dank Laura Kneidls flüssigem Schreibstil gut liest. Die Seiten verfliegen beim Lesen nur und sie hat eine einmalige Atmosphäre geschaffen, in der man sich wohl fühlt und als Leser gerne zurückkehrt. Das Buch besteht aus vielen lebendigen Szenen, die dafür sorgen, dass man sich gut unterhalten fühlt.
Die Charaktere werden alle gut vorstellbar beschrieben und sind mir sympatisch. Micah ist sehr selbstbewusst und nicht auf den Mund gefallen, wodurch sie etwas ganz eigenes erhält. Manchmal wirkt sie in Bezug auf Julian etwas zu ungeduldig, aber aufgrund ihrer erfrischenden Art, habe ich gerne aus ihrer Sicht gelesen. Etwas, das mir an ihr besonders gut gefällt, ist, dass ihre Familie ihr so wichtig ist und sie zu Beginn der Geschichte das Ziel verfolgt, ihre Eltern und ihren Bruder wieder zusammenzubringen. Das ist neu für mich gewesen, da die meisten reichen Mädchen aus New Adult-Geschichten sich zu Beginn des Studiums für den endgültigen Bruch entscheiden und nicht so hoffnungsvoll wie Micah gestimmt sind. In dieser Denkweise zeigt sie viel Reife für mich und sie macht das Buch auch realistischer, weil man trotz solcher Probleme nicht einfach damit aufhört, seine Eltern zu lieben. Als Hauptperson empfinde ich sie somit als sehr gut ausgearbeitet, da man ein rundes Bild von ihr erhält. Außerdem gefällt mir die Idee, dass sie ein so großer Comic-Fan ist und man ihr das auch immer wieder anmerkt. Die Bezüge zu anderen Comics, Serien und Filmen empfand ich zwar als zu viel, weil das das Lesen irgendwann anstrengend macht, wenn man die erwähnten Dinge nicht kennt, aber rundet Micah als Charakter dennoch gut ab.
Julian habe ich schnell ins Herz geschlossen. Man erfährt zu Beginn der Geschichte zwar nicht viel über ihn, aber merkt dennoch, dass er ein gutes Herz besitzt. Er wirkt sehr sensibel und ich finde es authentisch geschildert, wie er langsam immer offener wird. Auch muss ich positiv anmerken, dass er trotz seiner schwierigen Vergangenheit sich nicht zu einem Bad Boy entwickelt, obwohl seine anfangs undurchdringliche Art darauf hindeuten hätte können.
Etwas, das mir besonders gut gefällt ist, dass sich die Liebesgeschichte zwischen ihm und Micah langsam entwickelt. Erst entsteht eine Freundschaft und erst nach einiger Zeit wird daraus mehr, wodurch die Entwicklung glaubwürdig dargestellt wird. Manchmal hätte ich mir mehr Funken zwischen ihnen gewünscht, so wie sie bei ihrer ersten Begegnung zu spüren waren, aber bis zum Ende hin stimmt die Chemie zwischen ihnen und sie präsentieren eine Beziehung, bei der vor allem zum Schluss die Gefühle stimmen.
In den ersten 400 Seiten findet sich nicht viel Spannung, weil hauptsächlich nur Micahs Alltag beschrieben wird, wodurch sich die Handlung sehr zieht. Als Leser habe ich das jedoch nicht als Problem empfunden, weil durch Laura Kneidls lockeren Schreibstil und die lebhaften Charaktere dennoch Dynamik herrscht. Somit langweilt man sich hier trotz des kaum vorhandenen Spannungsaufbaus nicht. Die letzten 100 Seiten stecken dafür voller Spannung und großer Gefühle, so, dass man während dem Lesen dieser das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Die Nebencharaktere sind mir auch sympatisch und ich finde es toll, dass Laura Kneidl deren Hobbys mit aktuellen Themen verknüpft. Auri und Cassie sind zum Beispiel in der Cosplay-Szene unterwegs und Aliza führt einen erfolgreichen Koch- und Backblog. Das macht die Geschichte und die Charaktere nahbarer.
Man merkt beim Lesen schnell, dass Laura Kneidl ein diverses Buch schreiben wollte. Das finde ich in erster Linie gut, weil es meiner Meinung nach mehr Diversität in Büchern geben sollte. 
Allerdings muss ich zugeben, dass es auf mich in Verbindung mit den "Problemen" und der präsentierten Intoleranz anderer zu aufgezwungen wirkt und die Nebencharaktere - mit Ausnahme von Aliza, zu sehr durch ihren Hintergrund definiert werden. In anderen diversen Büchern, die ich gelesen habe, wirkt die Atmosphäre natürlicher und die Diversität "normaler", weshalb mir das bei Someone New im Vergleich zu diesen aufgefallen ist. Auch in Bezug auf persönliche Erfahrungen, weil ich selbst ein buntes Umfeld habe, aber das ist eine subjektive Wahrnehmung und empfindet jeder Leser anders.
Micahs beste Freundin Lilly wird zum Beispiel die ganze Zeit als Teen-Mom dargestellt, aber ich habe nicht das Gefühl etwas über richtige Charaktereigenschaften von ihr zu erfahren. Bei Micahs Bruder Adrian geht es, bis darauf, dass er Architektur studieren möchte, immer nur um seine Sexualität. In Bezug auf Cassie und Auri habe ich die Szene, in der Cassie Auris Hautfarbe als Grund dafür nennt, dass sie noch keine Beziehung führen, als überspitzt dargestellt empfunden. Ich bin der Ansicht, dass es ihr egal sein könnte, was andere davon denken, wenn sie ihn wirklich liebt, womit ihre Argumentation nicht ganz Sinn für mich ergibt und mich mit einem mulmigen Gefühl zurück gelassen hat. Die Szene wirkt auf mich aufgezwungen und ich denke, dass sie Personen in Auris Situation nicht das richtige Gefühl vermittelt und sich etwas mit der eigentlichen Botschaft der Geschichte widerspricht.
Wie gesagt finde ich es zwar gut, dass viele wichtige Themen angesprochen werden, aber aufgrund der Menge erhalten die einzelnen meiner Meinung nach leider nicht die Tiefgründigkeit, die sie verdient hätten. Hier wäre es meiner Meinung nach sinnvoller gewesen, diese auf mehrere Bücher zu verteilen, um ihnen gerecht zu werden oder sie nicht mit angeblichen Problemen zu verknüpfen. Beispielsweise wird in Bezug darauf auch die Situation mit Micahs Bruder Adrian zu einfach gelöst, obwohl man viel daraus hätte machen können. Dadurch hatte ich den Eindruck, dass es der Autorin nur darum ging möglichst viele Gruppen zu vertreten. Das allein reicht für mich jedoch nicht aus, weil ich der Meinung bin, dass man diesen Gruppen auch gerecht werden muss, wenn man sie einbringt.
Auch finde ich es schade, dass die ganze Elterngeneration als intolerant beschrieben wird und es so wirkt, als ob nur Micah und ihre Freunde tolerant wären und das restliche Umfeld nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass es leider nach wie vor viele intolerante Menschen gibt und ich finde es gut, dass Laura Kneidl mit Someone New dagegen spricht und zeigt, dass wir mehr Akzeptanz und Toleranz brauchen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sich die Gesellschaft in einem Wandel befindet und viele Eltern ihre Kinder unterstützen. Genauso wie die meisten jungen Menschen offen sind. Hier hätte ich es als glaubwürdiger und realistischer empfunden, wenn man ein Elternpaar als unterstützend dargestellt hätte und ein paar Freunde aus Julians Vergangenheit erhalten geblieben wären. 
Julians Geheimnis erfährt man erst gegen Ende des Buchs und es wird sicher viele überraschen, weil das Thema in der Literatur bisher kaum behandelt wurde. Ich finde es unglaublich toll, dass sich Laura Kneidl dafür entschieden hat über sein Thema zu schreiben und dadurch Menschen in seiner Situation eine Stimme gibt. Seine Ängste und Gefühle werden authentisch geschildert und ich habe mit ihm mitgefühlt, weil Laura Kneidl sein Geständnis so emotional und nachvollziehbar schildert. Man merkt in Bezug darauf auch, dass sich die Autorin mit dem Thema auseinandergesetzt und viel recherchiert hat. Das Buch wird sicher vielen Menschen in Bezug darauf die Augen öffnen. Es zeigt nämlich, dass wir alle nur Menschen sind und das ist eine wichtige Botschaft, die von mehr Personen gehört werden sollte.
Für mich kam die Hauptthematik dann aber leider etwas zu kurz. Nachdem Micah von Julians Geheimnis erfährt, wird das relativ schnell abgehandelt und auch Micah verarbeitet das zu schnell. Hier hätte ich es besser gefunden, wenn Julians Thema mehr im Fokus gestanden hätte und man sich mehr Zeit dafür genommen hätte. Ich persönlich hätte es einfach interessant gefunden, mehr darüber zu erfahren, weil das Thema sehr weit geht. Dennoch finde ich es schön, dass Micah so offen reagiert, weil das die Botschaft der Geschichte verdeutlicht.
Alles in allem, hat mir Someone New somit gut gefallen und ich finde, dass es ein wichtiges Buch ist, das von vielen gelesen werden sollte. Ich finde es toll, dass sich Laura Kneidl dafür entschieden hat über das Thema zu schreiben. Ihr Schreibstil ist wie bereits erwähnt super und die Charaktere sind mir sympatisch und halten die Geschichte lebendig. Außerdem trägt das Buch eine wichtige Botschaft und zeigt, wie wichtig Akzeptanz und Toleranz in der Gesellschaft sind. Someone New hebt sich auf jeden Fall von anderen Büchern des Genres ab. Es gibt für mich nur kleinere Schwächen bei der Umsetzung und ich hätte mir vor allem gewünscht, dass das Hauptthema mehr im Fokus steht. Aus diesem Grund kommt Someone New für mich trotz der wichtigen Themen leider nicht an Berühre mich. Nicht heran. 

Abschließende Bewertung

Idee:  ★ ★ ★ ★ 
Spannung:  ★   ☆ 
Gefühle: ★ ★  ★ 
Charaktere: ★ ★  ★ 
Insgesamt: ★ ★   

Fazit

Ein wichtiges Buch, das von vielen gelesen werden sollte und sich aufgrund der Thematik auch von anderen Büchern des Genres abhebt. Nur in der Umsetzung gibt es meiner Meinung nach kleinere Schwächen.

Mittwoch, 30. Januar 2019

Promises of forever, Bianca Iosivoni

Copyright: Bianca Iosivoni

Informationen

Titel: Promises of Forever - 
Gesamtausgabe
Autor/in: Bianca Iosivoni
Seitenzahl: 620
Preis: 16,99 

Link: hier

Inhalt

In Promises of forever sind drei Geschichten zu finden. 
Lines of Yesterday erzählt die Geschichte von Violet und Devin. Violets Leben ist durchgeplant: Sie möchte studieren und später ihren langjährigen Freund Jared heiraten. Doch dann taucht Devin auf - ihr bester Freund aus Kindheitstagen. Er stellt ihre Welt auf den Kopf und bald muss sie sich fragen, was ihr im Leben wirklich wichtig ist.
In Pain of Today geht es um Violets beste Freundin Bree, für die die Liebe nur ein Spiel ist. Keiner, bis auf Robert Lance kann ihr widerstehen. Er erteilt ihr eine Abfuhr bei ihrer ersten Begegnung. Doch die Wege beider kreuzen sich immer häufiger und damit steigt auch die Anziehung zwischen ihnen. Doch während Bree ernsthafte Gefühle entwickelt, weist Robert sie weiterhin ab. Die Frage bleibt nur weshalb, denn er scheint selbst nicht mehr abgeneigt von Bree zu sein.
Hope of Tomorrow erzählt die Geschichte von Gillian. Sie kennt sich mit Verlusten aus, lässt aber von nichts ihre perfekte Fassade zerbröckeln. Doch dann taucht Jared mit einer ungewöhnlichen Bitte auf. Was als Freundschaft beginnt, entwickelt sich bald zu mehr und bald müssen sie sich fragen, ob sie nur Jareds Bruder retten müssen oder auch sich selbst.

Meine Meinung

Lines of Yesterday
Ich bin ein großer Fan von Geschichten, in denen es um Kindheitsfreunde geht, die sich als Erwachsene ineinander verlieben. Aus diesem Grund bin ich sofort von der Idee begeistert gewesen und auch die Umsetzung ist gelungen. In den Dialogen der beiden werden nämlich immer wieder Kindheitserinnerungen erwähnt und besonders schön finde ich die Briefe, die nach jedem Kapitelende auftauchen und einen in die Vergangenheit reisen und die besondere Bindung der beiden Hauptcharaktere besser verstehen lassen.
Violet und Devin schließt man schnell ins Herz. Vor allem Devin besitzt viel Sanftmütigkeit und Geduld, wodurch man sich mit jeder Seite ein wenig mehr in ihn verliebt. Violets Innenleben ist etwas komplizierter und mir gefällt die Entwicklung, die sie dank Devin durchläuft. An ihr hat mich nur das Verhalten in einer Szene gestört, was daran liegt, dass ich Treue für das Wichtigste halte. Ansonsten wirkt sie aber sympatisch.
Die Atmosphäre der Geschichte ist das, was ich am Aussagekräftigsten finde. Sie ist entspannt und locker, womit sie perfekt zu Violets und Devins süßer Geschichte passt. Bianca Iosivoni meidet hier überflüssiges Drama, sondern vertraut auf große Gefühle, die die Geschichte tragen. Nicht zu vergessen der gute Humor. 
Das Ende rundet die Geschichte der beiden perfekt ab und hinterlässt ein warmes Gefühl beim Leser.

Pain of Today
In Pain of Today steht Violets beste Freundin Bree im Mittelpunkt und es wird die Liebesgeschichte zwischen ihr und Rob erzählt. Schon in Lines of Yesterday wurde deutlich, dass Bree ein ganz anderer Charakter als Violet ist. Sie ist sehr offen, kümmert sich nicht darum, was andere von ihr denken und hat viele Jungsgeschichten am Laufen.
Ich muss zugeben, dass Bree mir leider nicht sehr sympatisch ist, was der Grund dafür ist, dass mir Pain of Today weniger gut als Lines of Yesterday gefallen hat. 
Zwar finde ich es gut, dass mit ihr einmal ein weniger klischeehafter Mädchencharakter beschrieben wird und gezeigt wird, dass nicht nur Jungs Bad Boys sein dürfen, aber es hat mich dennoch etwas gestört, weil ich mich in ihr überhaupt nicht wiederfinden konnte. Vor allem, weil sie manchmal zu frech, leicht egoistisch und wenig emphatisch erscheint. Ich denke, dass es bei Bree aber einfach auf den Leser ankommt, weil sicher jeder anders mit ihr umgeht.
Dafür habe ich Rob sehr ins Herz geschlossen. Er wird genauso wie Bree lebensecht beschrieben und es wird sofort deutlich, dass er einen weichen Kern besitzt. Vor allem aber auch, dass er etwas verbirgt. Das Geheimnis ist nicht vorhersehbar und hat mich überrascht. Vor allem, weil dieses eine sehr ernste Wendung annimmt.
Die Geschichte zwischen Bree und Rob gleich einem Hin und Her, wird aber dennoch mitreißend erzählt, sodass man sich nicht langweilt. Das Ende finde ich besonders gut gelungen, weil es in einem unerwarteten Finale endet. 

Hope of Tomorrow
Die Geschichte von Gillian und Jared hat mir am besten gefallen, obwohl ich anfangs überhaupt nicht damit gerechnet hätte. Während Gillian in den ersten beiden Geschichten oberflächlich erscheint, lernt man sie in der dritten Geschichte richtig kennen und schafft es hinter ihre perfekte Fassade zu blicken. Tatsächlich ist sie mir sympatisch und aufgrund von Bianca Iosivonis einfühlsamen Erzählen konnte ich mich gut in sie hineinversetzen.
Ich finde sie als Charakter sehr interessant, weil sie vielschichtig ist, eine positive Entwicklung durchläuft und viel erlebt hat, das sie geprägt hat.
Auch Jared gefällt mir als Charakter sehr gut. Bereits im ersten Teil hat er mir leid getan, weil er Violet an Devin verliert und keine einfache Vergangenheit hat. Besonders gut gefällt mir deshalb, dass man in Hope of Tomorrow mehr über seine familiären Verhältnisse erfährt.
Im Gegensatz zu Rob und Bree, fieberte ich mit Jared und Gillian mit und die Chemie zwischen beiden hat für mich von Anfang an gestimmt. Beide haben ähnliche Dinge erlebt, weshalb es für mich kein besseres Paar gibt.
Auch an Gefühlen fehlt es der Geschichte nicht und Hope of Tomorrow ist die Einzige der drei Erzählungen, die Tränen in mir ausgelöst hat, weil mir die Sorgen beider um ihre jüngeren Geschwister so nah gingen und ich mich oft in Gillian wiederfinden konnte, was ihren Drang nach Perfektionismus angeht.
Die Wende empfinde ich als etwas überdramatisiert, aber dafür wirkt die Entwicklung nach dieser bis zum Ende hin realistisch und bietet nicht nur einen runden Abschluss, was Gillians und Jareds Liebesgeschichte angeht, sondern auch deren familiären Verhältnisse und Schatten.

Somit hat mir Promises of forever insgesamt gut gefallen. Man merkt stellenweise am Schreibstil und etwas zu aufgezwungen wirkenden Momenten zwar, dass die Geschichten zu Bianca Iosivonis früheren Werken gehören, aber dafür überwiegen hier die gleichen Punkte, für die ich Bianca Iosivonis anderen Bücher auch liebe: Charaktere, die echt wirken und eine Atmsosphäre, in der man sich zuhause fühlt. 
Damit lohnt es sich meiner Meinung nach Promises of forever zu lesen, wenn man mehr über die Vorgeschichte zur Firsts-Reihe erfahren möchte. Vor allem Hope of Tomorrow ist lesenswert und kann mit Bianca Iosivonis neueren New Adult-Geschichten mithalten.

Abschließende Bewertung

Idee:  ★ ★ ★ ★ 
Spannung:  ★  ★  
Gefühle: ★ ★  ★ 
Charaktere: ★ ★   
Insgesamt: ★ ★   

Fazit

Drei gelungene New Adult-Geschichten, die sich voneinander unterscheiden und durch eine tolle Atmosphäre und nachvollziehbare Charaktere punkten.

Freitag, 25. Januar 2019

Sollte es Triggerwarnungen in Büchern geben?

*Der folgende Beitrag enthält Spoiler zu "Mein Herz und andere schwarze Löcher" (Jasmine Warga) und "All die verdammten perfekten Tage" (Jennifer Niven)*

In letzter Zeit habe ich mich verstärkt mit der Frage, ob es Triggerwarnungen in Büchern geben sollte, beschäftigt. Auslöser dafür, ist das Buch "Was ist schon normal?" von Holly Bourne. Nichts im Klappentext hat auf die wahre Thematik des Buchs hingedeutet und obwohl ich nicht direkt von dem Problem, an dem die Hauptperson leidet, betroffen bin, wirkten einige Szenen belastend auf mich. Ich begann mich dadurch zu fragen, wie solche Szenen erst auf jemanden wirken können, der in ernstzunehmenderweise von dem Thema betroffen ist. 
Im Moment spielt das Thema psychische Gesundheit eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschaft und wird auch in Jugendbüchern behandelt. Auch in anderen Büchern, die ich gelesen habe, gibt es extreme Inhalte, bei denen ich es mittlerweile unverantwortlich finde junge Leser ohne Vorwarnung, auf diese einzulassen.
In Filmen, Serien und Computerspielen wird mittlerweile schon mit Triggerwarnungen gearbeitet. Ein gutes Beispiel ist hierfür die Netflix-Serie "13 Reasons Why", die belastende Szenen beinhaltet und vor jeder Folge darauf hinweist.
Warum sollte es dann nicht auch in Büchern Triggerwarnungen geben, wenn sie schwierige Themen beinhalten? 

Zu dem Thema gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche finden Triggerwarnungen in Büchern übertrieben, weil laut ihnen ein Text keine so starke Wirkung wie bewegte Bilder beinhaltet. Andere sehen es zudem als Angriff auf die künstlerische Freiheit. 
Befürworter teilen die Ansicht, dass Inhalte auf jeden anders wirken können und somit auch belastende Szenen in Büchern, bei Betroffenen aufwühlend sein können.

Ich persönlich finde, dass man das Thema ernster angehen muss und in erster Linie auch darauf geachtet werden muss, wie ein Verlag für ein Buch wirbt. 
Bei "Was ist schon normal?" startete der Verlag eine große Kampagne und verkaufte Evies Geschichte als Buch über Feminismus, das den Kern der Zeit trifft. Doch es ist kein Wort zum Thema Zwangsstörung gefallen, obwohl genau das im Mittelpunkt des Buchs steht. Die Szenen dazu sind alles andere als harmlos und werden detailliert geschildert - samt Evies komplexen Gedanken. 
Bei solch einer großen Werbeaktion finde ich es vom Verlag unverantwortlich, nicht auf die wahre Thematik hinzuweisen - vor allem, weil eine junge Zielgruppe angesprochen wird.

Ein ähnliches Beispiel präsentiert "All die verdammt perfekten Tage" von Jennifer Niven, das im englischsprachigen Raum sehr gehypt wurde. Hier geht es auch um psychische Gesundheit, was bereits im Klappentext deutlich wird. Das Ende jedoch ist mehr als unerwartet, denn eine der Hauptpersonen schafft es nicht seine Depressionen zu überwinden und bringt sich um. Was löst das bei einem Jugendlichen aus, der selbst an Suizidgedanken leidet?
Auch hier finde ich, dass eine Triggerwarnung gerechtfertigt wäre und der große Hype mit der vielen Werbung kritischer betrachtet werden sollte. 
Zwar weiß ich, dass Verlage Unternehmen sind, die auf Gewinn aus sind, aber insbesondere bei einer jugendlichen Zielgruppe trägt man eine Verantwortung und sollte bei Büchern, die schwierige Themen behandeln, ehrlich sein. Auch, wenn eine Triggerwarnung zur Folge haben kann, dass weniger Jugendliche zu dem Buch greifen.

Es gibt jedoch auch Beispiele, bei denen Triggerwarnungen überflüssig auf mich wirken. In dem Buch "Mein Herz und andere schwarze Löcher" geht es ebenfalls um psychische Gesundheit und darum, wie die Hauptperson ihren Selbstmord plant und auf einer Webseite einen Selbstmordpartner sucht. Hier erkennt man direkt im Klappentext, worum es geht. Hier ist eine Triggerwarnung meiner Meinung nach nicht nötig. Der Grund dafür liegt darin, dass die Geschichte eine hoffnungsvolle Entwicklung präsentiert und die Hauptperson bis zum Ende hin erkennt, dass sie am Leben bleiben möchte. Genauso, wie ich durch den Klappentext bereits wusste, worauf ich mich einlasse und somit selbst entscheiden konnte, ob ich mir das antun möchte oder nicht.
In "Was ist schon normal?" und "All die verdammt perfekten Tage" erleben wir das Gegenteil und zwar eher negative Entwicklungen. Evie aus "Was ist schon normal?" erlebt einen schleichenden Rückfall, was ihre Zwangsstörung angeht und Finn aus "All die verdammt perfekten Tage" wird immer unglücklicher.

Auch andere Themen als psychische Gesundheit können triggernd wirken. Colleen Hoover wurde in den USA von vielen dafür kritisiert, dass sie "Nur noch ein einziges Mal" ohne Triggerwarnung und Nennung des Hauptthemas auf den Markt brachte. Sie erklärte dabei mehrmals, dass es besser ist, das Buch zu lesen, ohne den genauen Inhalt zu kennen, was ich verstehen kann, weil man sich sonst den Überraschungsmoment nimmt. Trotzdem sind die Szenen, um die es geht, aufwühlend. 
Doch genauso wie in "Mein Herz und andere schwarze Löcher" wird hier eine hoffnungsvolle Entwicklung präsentiert und das Ende lädt eher zu einer positiven Entwicklung bei Betroffenen ein. Doch bis man das Ende erreicht, muss man eine Reihe schwieriger Szenen überwinden, die Kritiker als Problem betrachten.
In solchen Fällen, die nicht nur die psychische Gesundheit betreffen geht es somit vor allem um einzelne Szenen, die belastend auf den Leser wirken können, statt den gesamten Inhalt oder das Ende.

Und genau hier liegt die Schwierigkeit beim Thema Triggerwarnungen, denn solche Szenen wirken auf jeden anders und, ob sich jeder Betroffene davon verletzt fühlt, kann man nicht wissen. Hier stellt sich die Frage, welche Inhalte überhaupt eine Triggerwarnung brauchen, denn schon kleine Szenen können triggernd wirken. Damit könnte man quasi jedem Buch eine Trigger Warnung aufsetzen, wodurch der Überblick verloren geht. 
In solchen Fällen finde ich, dass man vorsichtig sein muss und nicht jedes Buch, das Szenen zu schwierigen Themen enthält, eine Triggerwarnung braucht. Kommt beispielsweise eine einzige Szene vor, in der Gewalt ausgeübt wird, die aber nur oberflächlich beschrieben wird, ist es meiner Meinung nach, überflüssig.
Natürlich gibt es Betroffene, die sich auch von solchen scheinbar harmlosen Szenen getriggert fühlen können, aber da es unmöglich ist, auf jeden einzeln einzugehen, muss man aufpassen, es nicht zu übertreiben. 
Würde nämlich jedes Buch eine Triggerwarnung aufgesetzt bekommen, würden Leser diese nicht mehr ernst nehmen. 

Deshalb ist es meiner Meinung nach besser, darauf zu achten, inwieweit solch ein schwieriges Thema im Fokus der Geschichte steht. Wenn es im Mittelpunkt des Buchs steht, bin ich eher für eine Triggerwarnung, um Betroffene zu warnen. So, dass man selbst entscheiden kann, ob man sich mit dem Inhalt auseinandersetzen möchte oder nicht. 
Somit finde ich, dass ein Buch, das sich hauptsächlich mit dem Thema Gewalt auseinandersetzt und diese Szenen detailliert schildert, eine braucht. Einfach, um den Leser zu schützen.

Eine Alternative wären in solchen Fällen aber auch ehrliche Klappentexte. Das heißt nicht, dass man spoilern muss, aber in "Was ist schon normal?" hätte ein Satz über Zwangsstörungen ausgereicht, um Betroffenen zu zeigen, worauf sie sich einlassen. "Nur noch ein einziges Mal" hätte ein Satz über das wahre Thema auch nicht geschadet, um Betroffene zu schützen und nicht Vergangenes wieder aufleben zu lassen. In Büchern über Essstörungen steht auch im Klappentext, worum es geht, so, dass Betroffene nicht ins kalte Wasser geworfen werden.

Man kann auch strenger mit Altersempfehlungen arbeiten und zu schwierigen Büchern, keine irreführenden Werbekampagnen mehr starten. Die Diskussion darüber, dass Verlage im Jugendbuchbereich vorsichtiger sein sollten, wird auch bei New Adult - Büchern geführt. Hier finden es viele unverantwortlich, dass New Adult - Bücher mit detaillierten körperlichen Szenen durch falsche Vermarktung in die Hände von Lesern gelangen, die eigentlich zu jung für solche Inhalte sind, aber eben Geld einbringen. Vor allem Eltern, die ihren Kindern ein Buch kaufen möchten und Empfehlungen und positiven Bewertungen vertrauen, fühlen sich hier im Dunkeln gelassen.
Aus diesem Grund könnten sichtbare Altersempfehlungen eine erste Stütze sein, um angemessenen Inhalt zu erkennen. Auch bei Büchern zu schwierigen Themen, da meiner Meinung nach, detaillierte Schilderungen von Gewalt, psychischen Problemen oder Mobbing nichts für zu junge Leser sind, die sich leicht beeinflussen lassen und im Alltag vielleicht noch gar nicht damit in Berührung gekommen sind.

Man sieht, dass das Thema sehr weit geht und man ewig darüber diskutieren kann, um herauszufinden, was die Lösung ist.

Meiner Meinung nach muss bei Büchern, die schwierige Themen behandeln, zu erkennen sein, dass sie Betroffene belasten können. Wie bereits erwähnt, zeigt sich jedoch, dass man Triggerwarnungen umgehen kann, wenn z.B. im Klappentext direkt erwähnt wird, worum es geht. Hier bin ich der Ansicht, dass ehrliche Klappentext und stärkeres Achten auf die Altersempfehlungen sogar besser sind als Triggerwarnungen. 
Bei extremen Fällen, in denen sich das nicht ermöglichen lässt oder Szenen zu detailliert geschildert werden, können Triggerwarnungen hingegen hilfreich sein, um Betroffene zu warnen. 
Auch was die Werbung angeht, kann man mit größerem Verantwortungsbewusstsein umgehen. So sollten Verlage stärker darauf achten, wie sie solche Bücher vermarkten, da sich vor allem junge Leser von Werbekampagnen und Hypes beeinflussen lassen.

Eine positive Entwicklung, die ich bereits beobachtet habe, ist, dass es in einigen Büchern zu schwierigen Themen oft am Anfang oder Ende Informationen zu Internetseiten gibt, bei denen man sich Hilfe suchen kann, wenn man vom Thema betroffen ist. Genauso wie Auflistungen zu Notfall-Telefonnummern. Das lässt Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind und vermittelt Hoffnung.
Damit zeigt sich, dass das Thema wichtig ist und mittlerweile schon mit mehr Vorsicht betrachtet wird. Wie sich das in Zukunft weiterentwickeln wird, wird sich zeigen.