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| Copyright: Penguin Informationen: Titel: Kaskaden Autor/in: Louise K. Böhm Verlag: Kaskaden Seitenzahl: 288 Preis: 24,00 € Link: hier |
Inhalt
Jojo studiert und hat ständig Angst davor, dass jemand herausfindet, dass sie eigentlich nicht hierhergehört. Erst als sie Jakob kennenlernt, findet sie eine neue Leichtigkeit. Doch dann erhält sie eine DVD von ihrer ehemals besten Freundin Yara.
Meine Meinung
Kaskaden ist ein wirklich starkes Debüt, das sich alles andere wie eins liest. Man merkt, dass die Autorin ihr Handwerk versteht und dieses Buch auf viel Schreiberfahrung beruht. Auch am Aufbau der Geschichte ist das erkennbar, weil sich hier wirklich Gedanken darüber gemacht wurde, wie man das Buch einleitet, für Spannungsmomente und ein rundes Ende sorgt. Den Schluss habe ich geliebt, weil er so genial und gut durchdacht gelöst wurde. Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil, der gut zur Atmosphäre und Hauptfigur passt. Manche Passagen haben etwas aufgesetzt auf mich gewirkt und so, als ob die Autorin unbedingt bestimmte Ansichten in diesen loswerden wollte, obwohl sie nicht natürlich in der Situation wirken, aber das hat den Lesefluss nicht gestört. Es betrifft nämlich nur wenige Momente. Eine Sache, die mir am besten gefallen hat, ist dass sich das Buch nicht in der Liebesgeschichte zwischen Jojo und Jakob verliert. Stattdessen spielt diese durchgehend nur eine Nebenrolle neben dem Thema Freundschaft und Jojos persönlicher Entwicklung, die maßgeblich durch andere Dinge vorangetrieben wird.
Ihre Schulfreundin Yara, zu der sie keinen Kontakt mehr hat, ist wie ein Schatten durchgehend präsent. Der Autorin ist es wirklich gut gelungen zu beschreiben, was für einen Einfluss der Verlust dieser Freundschaft auf Jojo hat. Hier wirkt auch nichts aufgesetzt, sondern alles sehr nah am echten Leben. Besonders deutlich wird, wie sehr sie einfach ihre Kindheit geprägt hat. Daher konnte ich Jojos Schmerz und Probleme damit, neuen Menschen zu vertrauen, nachvollziehen. Heraussticht hier auch wie lebensnah die Autorin das Aufwachsen in den 2010erJahren beschreibt.
Jojo kommt im Gegensatz zu den meisten ihrer Kommilitonen aus keinem akademischen Elternhaus und ich finde es wird sehr gut gezeigt, wie sie es dadurch zum Teil schwerer im Studium hat und unter was für einem finanziellen Druck sie im Vergleich zu den anderen steht. Ich habe erwartet, dass diese Thematik mehr im Mittelpunkt steht, finde es rückblickend aber gut, dass Jojo nicht nur darüber definiert wird. Was ich jedoch erwähnen muss, ist, dass sich Jojo im Zeitraum des Buchs in einer Ausnahmesituation befindet, weil sie monatelang auf ihren Bafög-Bescheid warten muss. Hier hat es sich die Autorin etwas „einfach“ gemacht, weil natürlich klar ist, dass sie in dieser Zeit unter mehr Druck und finanziellen Problemen steht, als den Monaten, in denen sie das Bafög normal ausgezahlt bekommt. Vor allem, weil sich vermuten lässt, dass sie den Höchstsatz erhält und in einer kostengünstigeren Stadt lebt. Vielleicht werden Nicht-Betroffenen dadurch die Schwierigkeiten aber klarer, vor denen Studenten aus finanziell schwächer aufgestellten Familien stehen.
Auffällig sind auch die Parallelen zu 22 Bahnen, z.B. bzgl. der Studiengänge, finanziellen Aspekte und Erzählart. Anfangs habe ich etwas gebraucht, um Kaskaden getrennt betrachten zu können, aber mit der Zeit stechen dann zum Glück mehr die Alleinstellungsmerkmale heraus und wird deutlich, dass man sich nur an dem Erfolg des anderes Buchs anreihen wollte.
Insgesamt hat mir Kaskaden somit gut gefallen und gerade für ein Debüt ist es lobenswert und weckt das Interesse für Lese-Nachschub der Autorin. Jojos Geschichte beweist nämlich schon, was für ein Talent in ihr steckt. Das einzige, das mir etwas gefehlt hat, ist die Tiefe - vor allem bei den sensiblen Themen, da mir das Buch insgesamt etwas zu oberflächlich war. Es liest sich oft so, als ob mehr von oben herab beschrieben wird, statt wirklich in das Innenleben der Figuren zu tauchen. Hier hatte ich den Eindruck, dass die Wirkung der Geschichte als Gesamtwerk stärker im Fokus stand, statt sich zu trauen, mehr in die Charaktere zu schauen und dadurch etwas Chaos bezüglich der Gesamtwirkung zu riskieren.
Fazit
Ein starkes Debüt, das einen nicht mehr loslässt.






