Sonntag, 18. August 2024

Die Tochter, Kim Hye-jin

Copyright: Penguin / Randomhouse

 Informationen:
Titel: Die Tochter
Autor/in: Kim Hye-jin
Verlag: Penguin / Randomhouse
Seitenzahl: 176
Preis: 12,00 € 
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Inhalt

Green zieht zusammen mit ihrer Freundin bei ihrer Mutter ein, nachdem sie ihre Wohnung verlieren. Sie ist nun gezwungen, sich mit der Beziehung ihrer Tochter auseinanderzusetzen, die sie nicht verstehen kann. Ihrer Meinung nach braucht diese einen Mann, der auf sie aufpasst und Kinder, um glücklich zu werden. Ihr geht es nicht in den Kopf, wie zwei Frauen zusammen und sich genug sein können. Gleichzeitig kämpft die Mutter mit ihrer Arbeit als Pflegerin in einem Seniorenheim, in dem die Bewohner:innen nicht gut behandelt werden, was sie immer schlechter mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.

Meine Meinung


Die Tochter ist ein Buch, das Generationenkonflikte in Südkorea sehr gut beleuchtet. Es wird nur aus der Sicht der Mutter erzählt und dieser wird viel Feingefühl entgegengebracht. Deutlich wird, dass sie ein guter Mensch ist, aber das Beziehungsmodell ihrer Tochter an sich nicht versteht, weil es dem widerspricht, was ihr als junge Frau für ein gutes Leben beigebracht wurde. Dadurch fühlt man mit der Mutter mit, statt wütend auf sie zu sein. 
Ihre Tochter und ihre Freundin haben hingegen mit vielen Anfeindungen zu kämpfen. Unter anderem verliert sie nur wegen ihrer Beziehung ihre Uni-Stelle, was zeigt, wie konservativ Südkorea teils noch ist. Die Kämpfe beider Frauen für mehr Akzeptanz werden facettenreich beschrieben.

Die Mutter durchläuft eine spannende Entwicklung. So ganz verschwinden ihre Sorgen nicht, aber sie beginnt immer mehr zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Lebensstile gibt, die Glück bedeuten können. Deutlich wird vor allem die Liebe, die sie für ihre Tochter empfindet und über allem steht. 

Ich habe die Freundin ihrer Tochter vom Charakter sehr interessant gefunden, weil sie eine Ruhe in sich trägt und viel Geduld mitbringt. Letztendlich wird sie unbewusst zu einem Bindeglied zwischen Mutter und Tochter. Zudem bringt sie viel Dynamik in die Geschichte.
Auch die Einblicke in den Pflegeberuf in Südkoreas Leistungsgesellschaft nehmen einen mit und schockieren. 

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, erzählt ruhig vom Alltag, ist aber dennoch laut und macht sehr deutlich, dass es oft kein Schwarz und Weiß gibt. Es zeigt, wie wenig Sinn es häufig macht, Menschen direkt abzustempeln, weder die Mutter noch Tochter, sondern oft Geduld der richtige Weg zu mehr Verständnis und einen Wertewandel ist.

Fazit


Ein eindringliches Buch, das Generationenkonflikte mit viel Feingefühl beleuchtet und Hoffnung macht.

Samstag, 6. Juli 2024

Brown Girls, Daphne Palasi Andreades

Copyright: Luchterhand / Randomhouse

 Informationen:
Titel: Brown Girls
Autor/in: Daphne Palasi Andreades
Verlag: Luchterhand / Randomhouse
Seitenzahl: 416
Preis: 20,00 € 
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 Inhalt

In Queens kämpft eine Gruppe junger Frauen darum, die Migrationsgeschichten ihrer Familien mit der amerikanischen Kultur in Einklang zu bringen. 

Meine Meinung

Brown Girls ist ein unglaublich starkes Debüt, das ich sehr empfehlen kann. Zuerst einmal muss ich ein Lob für den Schreibstil der Autorin aussprechen. Dieses Buch liest sich wie ein Song und ist leicht poetisch geschrieben. Dadurch fliegt man nur durch die Seiten. Es ist anders als ich erwartet habe, denn es ist keine typische Coming-of-Age-Geschichte einer Hauptfigur mit Höhen, Tiefen und Drama. Nein, dieses Buch enthält die Erzählung vieler Frauen, denn so unterschiedlich die Familiengeschichten von Kindern mit Migrationshintergründen sind, so unterschiedlich sind auch deren Charaktere und Werdegänge - und doch gibt es viele Gemeinsamkeiten: Brown Girls müssen oft stärker kämpfen - für ihre Abschlüsse, Aufstiegsträume und Beziehungen. Sie sind Vorurteilen ausgesetzt und stehen zwischen den Erwartungen ihrer Familien und eigenen Wünschen und wenn man es irgendwann geschafft hat, weiß man nicht mehr, wohin man gehört. 

Daphne Palasi Andreades analysiert das Leben solcher Mädchen von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter. In Kapiteln zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen trifft sie Punkte ohne belehrend zu werden und lässt einen als Leserin nur nicken. Man fühlt sich hier so verstanden - auch als Mädchen, das in Deutschland statt New York aufwächst, denn die Hürden und Sorgen sind fast überall dieselben. Es sind Fragen, die viele umgeben: Wie unterscheiden sich Beziehungen zu weißen Männern von denen mit denselben / ähnlichen Wurzeln und welchen Weg wählt man? Wie steigt man ohne ein finanziell sicheres Elternhaus oder anderen Unterstützungsmöglichkeiten auf? Wie meistert man den Spagat zwischen Angepasst-Wirken und Seine-Wurzeln-Nicht-Verlieren? Wie verliert man sich nicht in der Wut vor Ungerechtigkeiten? All diesen Themen begegnet die Autorin mit viel Feingefühl.

Dieses Buch verfolgt keinen Spannungsbogen, aber fesselt trotzdem - allein durch die starken Worte. Das Buch ist mehr ein Gefühl. So sehr löst es in einem etwas aus und rüttelt auf.

Wenn eine Autorin es schafft, ohne einzelne Hauptfiguren, strengen Plot und Überraschungsmomente zu überzeugen, ist sie ein besonderes Talent. Ich bin gespannt auf ihre weiteren Werke und kann Brown Girls jedem ans Herz legen - nicht nur wegen den Themen, sondern auch dem besonderen Schreibstil und Lesefluss.

Fazit

Unfassbar gut geschrieben und aufrüttelnd. Eins der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.

Mittwoch, 26. Juni 2024

Golden Bay - How it hurts - Bianca Iosivoni

Copyright: Penguin / Randomhouse

 Informationen:
Titel: Golden Bay - How it hurts
Autor/in: Bianca Iosivoni
Verlag: Penguin / Randomhouse
Seitenzahl: 416
Preis: 16,00 € 
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Inhalt

Nach seiner Rückkehr nach Golden Bay hat Holden Embers Welt erneut zum Wanken gebracht. Obwohl er sie liebt, kann er ihr nicht geben, was sie sich von ihm so verzweifelt wünscht: Die Wahrheit über jene Nacht vor fünf Jahren. Trotzdem will er versuchen, ein Freund für sie zu sein - dabei muss er nicht nur gegen seine Gefühle ankämpfen, sondern auch dunkle Vergangenheit, die droht ihn erneut in den Abgrund zu ziehen. 

Meine Meinung 

Den ersten Band habe ich geliebt und danach sehnsüchtig auf den zweiten Band gewartet. Auch diesen habe ich gerne gelesen. Es war ein sehr schönes Gefühl, zurück nach Golden Bay zu kehren. Bianca Iosivoni hat mit der Insel einfach einen Ort geschaffen, der sich nach Zuhause anfühlt und an dem man sich wohlfühlt.

Ich finde es super interessant, dass das Buch nur aus Holdens Sicht erzählt wird. Das hat geholfen, ihn besser zu verstehen und dazu beigetragen, dass die Geschichte mehr Tiefe bekommt. In Bezug auf seine Vergangenheit wurde ich überrascht und fand die Puzzleteile aus dieser sehr spannend. Ich hätte nicht erwartet, dass solche Geheimnisse aufgedeckt werden und entsprechend groß war der Überraschungsfaktor. Dennoch habe ich gemerkt, dass ich Embers Sicht vermisst habe, weil ich eigentlich am liebsten aus der weiblichen Perspektive lese, aber das ist Geschmackssache.

Die Liebesgeschichte geht emotional weiter und ich habe erneut mit Ember und Holden mitgefiebert. In diesem Band hat man jedoch noch mehr als im ersten Band gespürt, dass es zu einem Hin und Her wird und man denkt sich oft, dass sie einfach über alles reden sollen.  Natürlich steckt aber auch einfach sehr viel Schmerz zwischen ihnen, was alles komplizierter macht und so oder so sind die Gefühle zu spüren und man fühlt als Leser:in mit.

Den dritten Band kann ich auch schon kaum erwarten und hoffe auf ein Happy End.

Fazit

Eine gelungene Fortsetzung, in der Golden Bay die gleiche Wohlfühlwirkung wie im ersten Band ausstrahlt und unerwartete Geheimnisse aufgedeckt werden.

Montag, 20. Mai 2024

Babel, R. F. Kuang

Copyright: Eichborn Verlag / Bastei Lübbe

 Informationen:
Titel: Babel
Autor/in: R. F. Kuang
Verlag: Eichborn Verlag / Bastei Lübbe
Seitenzahl: 733
Preis: 26,00 € 
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 Inhalt

Oxford im Jahr 1836. Die Stadt mit den träumenden Türmen gilt als Hochburg des Fortschritts und der Wissenschaft. In ihr befindet sich auch Babel - das Königliche Institut für Übersetzung. Für Robin, der als Waise im chinesischen Kanton geboren wurde, scheint Babel zunächst wie ein Traum - bis es sich immer mehr wie ein Gefängnis anfühlt...

Meine Meinung

Nachdem mich Yellowface von der Autorin begeistert hat, musste ich auch Babel eine Chance geben und was soll ich sagen? Es gehört zu den besten Büchern, die ich gelesen habe. Ich habe etwa drei Monate dafür gebraucht - nicht, weil es langweilig war, sondern weil ich jedes Kapitel konzentriert lesen und irgendwie auch nicht wollte, dass die Geschichte vorbei ist.

Das Thema Sprache spielt hier eine große Rolle, da Babel an einem Übersetzungsinstitut in Oxford spielt. Die vielschichtigen Gedanken dazu habe ich geliebt und entsprechend viele Stellen markiert. Wer sich für das Thema Sprache interessiert, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Alles was dazu angerissen wird, ist einfach beeindruckend. R. F. Kuang kann einfach schreiben.

Auch die Themen Kolonialisierung und Rassismus spielen eine Rolle und werden mit dem richtigen Feingefühl behandelt. Stellenweise machen die dazugehörigen Szenen wütend. Das Buch mag zwar Fiktion sein, aber es gibt Bezüge zu echten Ereignissen und das macht es noch nahbarer und emotionaler.

Es sind aber nicht nur die Themen und der starke Schreibstil der Autorin, die Babel für mich zu einem Meisterwerk machen. Das Buch wird an sich toll erzählt und ist sehr gut durchdacht. Es startet ein wenig Harry Potter-mäßig und unschuldig, wird von Kapitel zu Kapitel aber immer spannender sowie düsterer. Es passieren schockierende Dinge, mit denen ich nie gerechnet hätte und lässt einen nicht mehr los. Auch die Charaktere sind super ausgearbeitet - alles andere als perfekt, aber dafür menschlich. Ich habe die Freundesgruppe ins Herz geschlossen und gerne auf ihren Abenteuern begleitet.

Babel hat mich am Ende nachdenklich und erstmal sprachlos zurückgelassen. Deshalb hat es auch ein wenig gedauert, bis ich die richtigen Worte für meine Rezension gefunden habe. Immer noch denke ich an die Charaktere und bewundere die Autorin für das Erschaffen dieser fantastischen Geschichte.

Fazit

Babel ist ein Meisterwerk! R. F. Kuang erzählt mit großer Spannung und viel Tiefe eine Geschichte über Magie und das Thema Sprache.

Yellowface, R. F. Kuang

Copyright: Eichborn Verlag / Bastei Lübbe

 Informationen:
Titel: Yellowface
Autor/in: R. F. Kuang
Verlag: Eichborn Verlag / Bastei Lübbe
Seitenzahl: 383
Preis: 23,99 € 
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Inhalt

June Hayward und Athena Liu könnten beide aufstrebende Stars der Literaturbranche sein. Doch während Athena für ihre Bücher gefeiert wird, kennt June kaum jemand. Sie hat den Eindruck, dass sich niemand für die Geschichten "normaler" weißer Frauen interessiert.

Als June Zeugnis eines tödlichen Unfalls von Athena wird, stiehl sie Athenas aktuelles Manuskript - ein Roman über chinesische Arbeiter während des ersten Weltkriegs. June überarbeitet das Werk und veröffentlicht es unter dem Namen Juniper Song. Doch wird ihr Geheimnis wirklich nicht ans Licht kommen und wer darf eigentlich über welche Themen schreiben?

Meine Meinung

Yellowface hat mich begeistert! Das Buch wirft einen Einblick in die Literaturbranche und kritisiert einiges in dieser. Eine große Rolle spielt auch das Thema Rassismus, da Athena chinesische Wurzeln hat und sich ihre Bücher mit historischen Ereignissen Chinas beschäftigen. Auch der Umgang mit dem Thema Diversity in der Literaturbranche wird behandelt und teils war das unangenehm zu lesen, weil in vielen Stellen Diversity nur als Marketingstrategie betrachtet wird.

Passend dazu wird auch sehr deutlich, wie über entsprechende Marketingmaßnahmen mögliche Bestseller geplant werden können. Darüber hinaus geht es aber auch um die Frage, ob man als Autor:in überhaupt über alles schreiben darf und was schon als Diebstahl gilt. Nicht nur weil June Athenas Manuskript klaut und sich nach der Veröffentlichung kritische Stimmen darüber anhören muss, dass sie als weiße Autorin über historische Ereignisse in China schreibt, sondern sogar Athena, weil sie als privilegierte und reiche Frau mit chinesischen Wurzeln über arme Menschen Chinas schreibt, ohne selbst Armut erlebt zu haben. All das regt zum Nachdenken an.

Da das Buch wie eine Satire geschrieben ist, liest es sich trotz der Themen nicht zu ernst, sondern unterhaltsam. Es ist wirklich eine Kunst solche ernste Themen über eine so leichte Sprache rüberzubringen.

Fazit

Ein wichtiges Buch, das einen ungefilterten Blick auf die Literaturbranche wirft und zum Nachdenken anregt.


Sonntag, 7. April 2024

Golden Bay - How it feels, Bianca Iosivoni

Copyright: Penguin / Randomhouse

 Informationen:
Titel: Golden Bay - How it feels
Autor/in: Bianca Iosivoni
Verlag: Penguin / Randomhouse
Seitenzahl: 416
Preis: 16,00 € 
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 Inhalt

Ember wollte ihre Erinnerungen an Holden ausradieren. Doch als sie zurück nach Golden Bay zieht, begegnet sie ihm auf einer Hochzeit wieder und alles kommt hoch. Sie ist vor allem eins: Wütend auf ihn - denn er hat sie vor einigen Jahren einfach verlassen, ohne sich bei ihr zu melden. Trotzdem kann Ember nichts gegen die Gefühle tun, die sie immer noch für ihn hat...

Meine Meinung

Ich weiß nicht, wie Bianca Iosivoni das macht, aber sie schafft es einfach immer, mich mit ihren New-Adult-Geschichten zu begeistern. Golden Bay spielt auf einer kleinen kanadischen Insel und ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich die Atmosphäre dort geliebt habe. Es ist sehr gemütlich und fühlt sich direkt wie Zuhause an. Ich mochte die Jeder-kennt-jeden-Vibes und süßen Schauplätze, die bildhaft beschrieben werden.

Besonders macht das Buch aber auch der hohe Spannungsgrad. Ember hat ihre einstige Jugendliebe Holden lange nicht mehr gesehen, seitdem er in einer Nacht einfach spurlos verschwunden ist. Sie ist wütend, aber will natürlich auch wissen, was damals passiert ist. Ihre Geschichte macht einfach süchtig, weil man erst nach und nach Puzzleteile zu Holdens Vergangenheit erfährt. Aber auch in Embers Vergangenheit ist bezüglich ihrer Familie viel passiert. Die einzelnen Päckchen, die auf ihren Schultern lasten, werden auch erst schrittweise offenbart. So wird das Buch wirklich genial erzählt, weil man nur an den Seiten hängt, um endlich mehr zu erfahren.

Aufgrund der teils schwierigen Themen ist das Buch sehr emotional. Ember wollte ich oft einfach nur eine Umarmung schenken. Umso schöner ist es zu sehen, was für starke Kindheitsfreundschaften bestehen geblieben sind. Die Szenen mit Ember und ihren Freund:innen haben mein Herz erwärmt und vor allem von Shae bin ich ein großer Fan, von der ich es kaum erwarten kann, mehr zu lesen.

Die Liebesgeschichte ist bittersüß. Sie steckt voller Schmerz und Wut, aber die Anziehung, die trotz allem zwischen Ember und Holden besteht, ist einfach zu stark. Die beiden verbindet ein festes Band, von dem sie nicht loskommen, egal wie sehr sich Ember dagegen wehrt. Das ist keine einfache Liebesgeschichte, sondern bedeutet viel Chaos, das einen nicht kalt lässt. Sehr gemocht habe ich auch die Kapitel aus der Vergangenheit, die dabei helfen, alles besser zu verstehen - sowohl in Bezug auf Embers und Holdens Liebesgeschichte als auch Embers Familie.

Fazit

Eine emotionale Liebesgeschichte voller Spannung. Man hängt wortwörtlich an den Seiten. Ich kann die Fortsetzung schon kaum erwarten.

Donnerstag, 21. März 2024

Weiße Wolken, Yandé Seck

Copyright: KiWi

 Informationen:
Titel: Weißen Wolken
Autor/in: Yandé Seck
Verlag: KiWi
Seitenzahl: 352
Preis: 23,00 € 
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 Inhalt

Dieo und Zazie sind Schwestern, könnten aber nicht unterschiedlicher sein. Dieo ist Mutter von drei Söhnen und lebt zusammen mit ihrem Mann in einer schönen Altbauwohnung im Frankfurter Nordend. Sie leidet unter den Ansprüchen der Gesellschaft an Mütter, aber auch an der Kritik ihrer kleinen Schwester Zazie. Ihr weißer Mann Simon gerät auch immer wieder ins Visier seiner Schwägerin, die immer mehr an Rassismus verzweifelt. Als die beiden Schwestern unerwartet nach Senegal reisen müssen, werden sie mit ihren eigenen Wurzeln konfrontiert.

Meine Meinung

Trotz der schwierigen Themen und erdrückenden Gedanken, liest sich Weiße Wolken leicht. Das liegt zum einen an Yandé Secks lockeren und flüssigen Schreibstil und zum anderen an den realistischen Erzählungen des Alltags der drei Hauptpersonen. Dieo, Zazie und Simon wirken wie Menschen, die man aus seinem eigenen Alltag kennen könnte. Das macht sie nahbar und führt zu vielen Momenten, in denen man sich auch selbst wiederfinden kann.

In ihrem Debütroman spricht Yandé Seck einige wichtige Themen an. Vor allem Rassismus steht im Fokus und durch Zazie wird deutlich, wie tief dieser in der deutschen Gesellschaft verankert ist und wie sehr es einen verzweifeln kann, wenn man ihn von klein an erlebt und auf Unverständnis stößt. Zazie ist eine aufgeweckte junge Frau, die auch vor der eigenen Familie nicht davor zurückschreckt, auf Probleme aufmerksam zu machen. Ihre Gedankengänge und Dialoge, die sie anreißt, sind sehr wichtig und haben mich zum Nachdenken angeregt. Es wird einfach deutlich, dass auch scheinbar harmlose Dinge rassistisch und verletzend sein können.

Ihre Schwester Dieo verliert sich zwar weniger in gesellschaftskritischen Themen, aber hat als Mutter von drei Söhnen auch mit anderen Problemen zu kämpfen. So gut es geht meistert sie ihren Alltag und bildet sich beruflich weiter, aber hat trotzdem das Gefühl nicht gut genug zu sein. Ihre Gefühle werden sehr anschaulich und ihre Situation nachvollziehbar beschrieben. Es ist super spannend zu sehen, wie unterschiedlich sich zwei Schwestern entwickeln können und zu was für Konflikten das führen kann. Schön dafür ist, dass trotz allen Schwierigkeiten immer die Liebe für die eigene Familie zu spüren ist und über allem steht.

Interessant habe ich auch gefunden, dass es Kapitel aus Simons Sicht gibt. Diese werfen einen anderen Einblick auf die Themen und Familienkonflikte seiner Frau, zeigen aber auch, dass an mittelalten weißen Männern nicht alles spurlos vorbeigeht.

In dem Buch passiert ehrlich gesagt nicht viel, sondern wird größtenteils der Alltag der Charaktere beschrieben. Dennoch hat es eine Sogwirkung, sodass ich immer weiterlesen wollte. Ich denke, dass gerade dieses Alltägliche das Buch besonders macht und deutlich wird schon beim Klappentext, dass es hier nicht um fesselnde Spannungsbögen, sondern das Ansprechen wichtiger Themen geht. Klar wird zudem, dass die Schwestern trotz ihrer Diskriminierungserfahrungen auch Privilegien genießen, wie ihr Bildungshintergrund zum Beispiel zeigt. Verdeutlicht wird dadurch, wie vielschichtig die behandelten Themen sind.

Mir hat das Buch somit gut gefallen und ich finde, dass wie bereits erwähnt einige wichtige Themen angesprochen werden. Dennoch muss ich zugeben, dass ich mir manchmal mehr Tiefe gewünscht hätte. Die Themen sind zwar wichtig, aber die Dialoge zu diesen wirkten auf mich manchmal aufgesetzt und unnatürlich. Oft lenkt Zazie nämlich direkt in die kritische Richtung, dabei unterhält man sich im Alltag nicht nur über schwierige Themen oder wie in einem Uniseminar. Gerade bei Zazie hätte ich mir gewünscht, dass man noch mehr Facetten von ihr als ihren Frust kennenlernt. Dieo wirkt in Bezug darauf etwas vielschichtiger. Gegen Ende hat sich das, finde ich, zwar gebessert und man lernt Zazie aus einer neuen Perspektive kennen und erfährt mehr über ihren Umgang mit ihren Wurzeln, aber das wurde leider etwas schnell abgehandelt. Auch die Bezüge zu aktuellen Ereignissen und Popkultur fand ich etwas zu viel, weil das auf mich überladen gewirkt hat und Bücher weniger zeitlos macht - das ist aber Geschmackssache.

Weiße Wolken habe ich dennoch gerne gelesen und finde, dass es insgesamt trotz meiner kleinen Anmerkungen gut gelungen ist und unterschiedliche Familiendynamiken sowie ernste Themen sehr gut darstellt. Zum Nachdenken regt es auf jeden Fall an.

Fazit

Wichtige in einer spannenden Familiengeschichte verpackte Themen mit realitätsnahen Charakteren - ein gelungenes Debüt, das zum Nachdenken anregt.