Freitag, 27. Februar 2026

Evil Eye, Etaf Rum

Copyright: pola / Bastei Lübbe

 Informationen:
Titel: Evil Eye
Autor/in: Etaf Rum
Verlag: pola / Bastei Lübbe
Seitenzahl: 432
Preis: 22,00 € 
Link: hier

 Inhalt

Yara führt ein scheinbar perfektes Leben. Sie hat ein abgeschlossenes Studium, einen guten Job und kümmert sich nebenbei um ihre beiden Töchter und Ehemann. Dennoch leidet sie unter Unzufriedenheit, Wutausbrüchen und Verzweiflung, kann sich aber nicht erklären warum. Nach einem Zwischenfall auf der Arbeit wird sie dazu gezwungen, psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen und beginnt sich ihren Gefühlen zu stellen.

Meine Meinung

Als ich den Klappentext zu Evil Eye gelesen habe, hat mich das Buch sofort angesprochen und ich es mir extra für einen Zeitpunkt aufgehoben, zu dem mein Kopf frei genug für die Inhalte ist. Das Buch liest sich durch den lockeren Schreibstil eher leicht und da man hauptsächlich Yaras Alltag verfolgt, erwartet einen auch nicht viel Action oder Überraschungen. Emotionen sind das, was die Geschichte tragen und dieser eine bedrückende Schwere verleihen. Auf ganz natürliche Weise lässt Yara ernstere Themen miteinfließen, die zum Nachdenken anregen. Ich habe mir für das Buch bewusst länger Zeit genommen, um mich darauf konzentrieren und die Inhalte reflektieren zu können.

Im Zentrum steht das Thema transgenerationale Traumata, mit dem ich mich selbst schon sehr beschäftigt habe. Es wurde anders behandelt als ich erwartet habe, aber ich mochte den eher leisen Einbau und finde, dass es der Autorin wirklich gut gelungen ist zu zeigen, wie sich solche Traumata im Alltag bemerkbar machen und wie man unbewusst belastende Erfahrungen der eigenen Vorfahren mit sich trägt. Ihr gelingt das auf zwei Ebenen. Zum einen geht sie darauf ein, wie die eigenen Wurzeln einen belasten können, wenn diese mit viel Leid verbunden sind. Zum anderen erläutert sie auch die Rolle ihrer Eltern, vor allem die ihrer Mutter, deren Päckchen für Yara immer sichtbar waren.

Yaras Innenleben wird wirklich gut dargestellt - vor allem auch die Konflikte, mit denen sie kämpft, weil es ihr zu Beginn schwerfällt zu verstehen, warum sie sich so unzufrieden sowie wütend fühlt und ihren Familienalltag nicht uneingeschränkt genießen kann.

Auch wird deutlich, wie belastend es für Betroffene sein kann, wenn im eigenen Umfeld das Thema Mental Health heruntergespielt wird bzw. als Tabu gilt und der äußere Schein als wichtiger als innere Zufriedenheit betrachtet werden. Yara muss sich wirklich allein durch ihre Probleme kämpfen und zeigt, wie einsam das ist, aber auch warum sich das dennoch für die Hoffnung auf ein erfüllteres Leben lohnt. Berührt hat mich auch zu sehen, wie schwierig es ist, Kreise zu brechen. So beharrt Yaras Mann darauf, dass ihre Ehe besser als die ihrer Eltern ist und sie als Frau mehr Freiheiten genießt, aber übersieht die Schatten, die dennoch auf ihnen lasten. In Bezug darauf finde ich es wirklich mutig, dass sich die Autorin getraut hat, Tabu-Themen zu behandeln, obwohl manche Darstellungen Klischees entsprechen, gegen die man sich eigentlich wehren möchte.

Wie erwähnt wird das Buch eher ruhig erzählt. Gegen Ende nimmt es dann eine Wendung, die ich nicht erwartet habe und mich sehr mitgenommen hat. Ganz hinweg bin ich über die Entwicklung von Yara noch immer nicht und kann nicht anders als sie für ihre Stärke und Mut zu bewundern.

Eine Sache, die ich nur etwas schade finde, ist dass die anderen Charaktere bis auf ein Arbeitskollege neben ihr etwas blass wirken. So konnte ich mir beim Lesen kein so gutes Bild von ihrem Mann und Töchtern machen. Hier kann es aber auch sein, dass das bewusst so gemacht wurde, um den Fokus auf Yara zu legen und zu verdeutlichen, dass ihr Schicksal viele Frauen teilen.

Fazit

Evil Eye wird mich bestimmt noch eine Weile beschäftigen und ist ein wirklich starkes Buch, das sich auf unaufdringliche Weise schweren Themen widmet und eine starke weibliche Hauptperson in den Mittelpunkt rückt, deren Entwicklung bewundernswert ist und zeigt, warum es sich lohnt Kreise versuchen zu durchbrechen - auch wenn es nicht einfach ist.

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